Montag, 5. September 2011

Tag 3 - Der Marsch

Ein leichter Stich in die Seite und ich war wach. Wach wie schon so oft in dieser mir endlos vorkommenden Nacht. Begonnen hatte diese schon früher als üblich, um sieben Uhr, als wir uns zu siebt in den kleinen Schneekäfig zwängten. Bis alles am rechten Platz war und wir uns alle nebeneinander in unseren Schlafsäcken eingekuschelt hatten, verging auch nochmal eine Stunde. Zum eigentlichen Versuch zu Schlafen kam es erst gegen neun Uhr. Und hätten wir nicht die Gewissheit gehabt, dass der morgige Tag genauso anstrengend  wird wie der heutige Tag, dann hätten wir  die Nachtruhe noch weitere Stunden heraus  gezögert. Der Boden, zwar mit Isomatten ausgelegt, war kalt und unförmig und hinterließ schreckliche Rückenschmerzen während sich die einzelnen Unebenheiten ins Fleisch bohrten. Das allgemeine Temperaturempfinden schwankte zwischen, wenn wundert’s, sehr kalt und überraschender Weise verdammt warm. Während sich manche tatsächlich am nächsten Morgen über zu große Hitze beschwerten, war für mich die ganze Zeit eines klar…es ist verdammt kalt. Aber wahrscheinlich sehe nur ich so das, da ich mit der Hälfte  meines Körpers mit der Eiswand kuscheln dürfte. Aus diesen Gründen bin ich in der Nacht mehrfach aufgewacht. Und das letzte Mal um vier Uhr 35, als mich mein Kumpel in die Seite stupste um die Uhrzeit zu erfahren. Noch im Halbschlaf antwortend, verlor ich an alles weiter Geschehene meine Erinnerung. Ich weiß ganz ehrlich nichts mehr. Nur noch, dass gegen sechs einer der Instruktors in unseren Käfig kam und uns  freundlich zu verstehen gab, dass wir in einer Stunde aufbrechen würden. Mit genug Gemütlichkeit und Faulheit schafften wir es das Verlassen unseres Schneekäfigs um eine halbe Stunde auf 7:30 heraus zu zögern. Als jedoch der Instruktor etwas genervt in unser kleines Heim kroch und meinte die Hälfte der Schüler sei schon Aufbruchsbereit, brach, um es dezent auszudrücken, Panik aus. Zeug wurde über anderes Zeug geworfen im verzweifelten Versuch sich so schnell wie möglich anzuziehen…und das war in diesem kleinen Raum mit sieben Personen gar nicht so einfach. Aber eine halbe Stunde später standen wir bepackt und durchgefroren am Fuße des Abhangs…nur um dort eine Stunde zu verweilen. Und das schlimmste war, dass wir nicht in der warmen Sonne warteten, sondern im kalten Schneeregen. Komplett durchnässt und die Zehen schon gar nicht mehr spürend, machten wir uns auf den Weg zur warmen Herberge. Doch lange verweilen war nicht möglich, denn nach kurzer Zeit ging es schon wieder in die Kälte…und das hauptsächlich mit den noch nassen Sachen. Aber das würde nicht der härteste Marsch an diesem Tag sein. Angekommen an der Herberge der anderen Gruppe, gab es erst mal eine schöne, warme, zweistündige Pause. In dieser besprochen wir die Erlebnisse der Nacht im Eis, beantworteten Fragen zu diesem Thema und lernten wie man Eisdornen am Schuh für leichteres Bergsteigen anlegt. Warmes Mittagessen gab es auch und den Rest der Zeit vertrieben wir uns mit Tischtennis und Billard. Aber auch diese Zeit endet mal, die kalte Pflicht rief. Ein zwei stündiger Marsch stand auf dem Plan und mit der späten Uhrzeit und schlechtem Wetter konnten wir uns keine Verzögerung erlauben. In drei Gruppen je zehn Leute machten wir uns auf den Weg. Am Anfang noch sehr erschöpft, wurde es mit zunehmender Zeit immer leichter, man bekam wirklich ein Gefühl dafür. Während  dieser Wanderung wurden wir in vielerlei Fähigkeiten unterrichtet, wie beispielsweise die Erklimmung eines eigentlich zu steilen Abhanges  oder das Verhalten fall man doch mal fällt oder ins Rutschen kommt. Um letzteres auszuführen mussten wir uns mehrfach fallen lassen und im Schnee herum rutschen. Es war anstrengend, aber ich machte große Fortschritte. Mit dieser Rumwälzerei und dazu noch der nun stärker gewordenen Regen, war ich nass bis auf die Knochen. Nach einem kurzem Lob von unserem Instruktor, machten wir uns auf die letzten Meter die wir an diesem Tag laufen würden. Ich war am Ziel meiner Träume als wir endlich wieder im warmen und vor allem im trockenen waren und das erste was ich tat war mich für eine halbe Stunde in den Trocknungsraum zu setzten. Mit Natchos zum Abendessen, warmer Kleidung und einem weichen Sessel war ich im Himmel angekommen…bis die Instruktors  das Wort an uns richtete. Zwar mit einem großen Lob voraus, erfuhren wir danach allerdings zu unserem Bedauern, dass der morgige Tag zwar ein einzigartiges Erlebnis seien würde, aber auch der härteste den wir auf dieser Reise erleben würden…und dazu gehörte auch das Aufstehen um 5:30 am nächsten Morgen. Todmüde und nicht sicher was wir über den nächsten Tag denken sollten, ging es dann endlich in ein normales, warmes Bett.

2 Kommentare:

  1. Donnerstags und Freitags haha. Die ersten vier Tage stand nur sowas an. War aber ohne Frage ein einzigartiges Erlebnis :D

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