Dienstag, 6. September 2011
Tag 4 - Die Prüfung
Es gibt Dinge die ich einfach hasse: Krieg, Sklaverei,
Gurken und auch wenn der Wecker viel zu früh klingelt. 5:30 ist einfach nicht
meine Uhrzeit. Der Aufbruch war auf sieben angesetzt und da ich noch
Küchendienst hatte, fiel es mir umso schwerer diese Zeit einzuhalten. Als einer
der letzten kam ich dann auch eine halbe Stunde zu spät aus der Herberge.
Allerdings waren die Instruktors mit unserer Leistung trotzdem zufrieden. Dann
kam es jedoch zum ersten Teil. Der Prüfung der Grundlagen des Bergsteigens. Diese
war in drei Teile unterteilt und Teil eins folgte sogleich. Wir alle mussten
Schneedornen an unseren Stiefeln befestigen. Bis auf einen kleinen Makel
bestand ich diesen Teil mit Leichtigkeit. Mit den Eisen unter den Füßen ging es
los zur längsten Reise ins Eis meines Lebens. Der vorerst letzte Treffpunkt
aller Schüler und Lehrer war vor der Herberge der anderen Gruppe. Dort wurden
wir in drei Gruppen je zehn Leute plus Instruktor eingeteilt. Zwei von diesen
hatten eine haarsträubende und erschöpfende Reise vor sich, die andere dürfte
im Schnee spielen. Hätte ich mich doch für die Schneespielgruppe entschieden,
doch zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht was mir bevor stehen sollte… und
das es mir am Ende trotzdem jede Strapaze wert seien würde. Und dann fingen wir an zu
laufen…für Stunden. Die Erschöpfung nur ausgleichend mit denn wirklich sehr
kurzen Pausen die wir hatten. Neben kleinen Anmerkungen hielt sich unser
Instruktor weitestgehend raus, überlies uns sogar die Führung der Gruppe. Nach
einiger Zeit stellte sich ein sehr guter Rhythmus aus Pausen, Führungswechsel
und dem allgemeinem Tempo ein. Mit dieser Mischung kämpften wir uns drei
Stunden mit dem Aufstieg ab. Und dann endlich waren wir an der Spitze des
Berges angekommen. Es war atemberaubend! All die harte Arbeit, die Kälte und
auch die Sonne, welche brutal auf uns runter brannte. Vor uns lag der inaktive
Krater des Vulkans auf welchen wir uns befanden. Gefüllt mit Wasser ergab das
einen Eissee auf dem sich die Sonne spiegelte. Ein wunderschöner Anblick.
Umgebung genug um endlich mal eine lange, schöne Pause zu machen…dachten wir.
Denn Anblick des schwer zu erreichenden Sees hatten wir nämlich nur rund zwei
Minuten, denn das Wetter ändert sich in den Bergen schlagartig. Schneidender
Wind, noch bittere Kälte und winzige Hagelkörner ließen die langersehnte Pause schneller Enden als
geplant. Doch Bergab ging es für uns nun trotzdem nicht. Wir erklommen eine
steile Wand aus Eis um auf die andere Seite der Spitze zu gelangen.
Kraftfordernd und mit dem ständigen
Risiko abzurutschen, wurde dies zur härtesten Disziplin dieses so langen Tages.
Doch oben angekommen bot uns der Ausblick ein windstilles, schneeweißes Plato von
der Größe von drei Fußballfeldern. Nachher sollten wir erfahren, dass das der
schönste Moment für unseren Instruktor auf den Reise mit uns war…und nicht nur
seiner. Doch hier oben wurde es nun ernst. Der zweite Teil der Prüfung:
Footstep cuting mit der Eis Axt, eine Methode um Abhänge zu beseitigen die zum
direkten Aufstieg zu steil sind. Meisterlich, aber mit Schmerzen im Arm,
schaffte ich auch diesen Teil. Nicht lang nach Verlassen des Platos folgte nun
auch der letzte Teil: Self arresting. Dies musste jeder angehende Bergsteiger
beherrschen. Die Rettung mit der Eis Axt fall man fällt oder ins Rutschen
kommt. Mich im Schnee herumwälzend bestand ich zum Glück auch dies und hatte
sogar Spaß dabei. Und dann war es endlich geschafft. Die Erleichterung der
bestandenen Prüfung spürend, folgten erst mal ausgelassene Schneeballschlachten
und im Prinzip sind wir den ganzen Weg zurück gerutscht. Um 2 Uhr, knappe sechs
Stunden später, kamen wir komplett durchnässt und erschöpft in unserer Herberge
an. Nun hieß es, etwas trockenes anziehen und dann so schnell wie möglich ins
Auto um die geliehenen Sachen wie Schuhe und Eis Äxte wieder abzugeben. Jeder
weitere Schritt an diesem Tag schmerzte, doch das alles war es absolut Wert
gewesen. Dennoch war ich glücklich als ich am Abend mit meinen Freunden im
Warmen nichts zu tun. Dann gab es noch eine Ansprache unserer Instruktors und
die Verteilung der Diplome für das Erwerben der Grundkenntnisse im Bergsteigen
und die Übernachtung in einem Schneekäfig. Ich hatte alles bestanden und leicht
war das mit Sicherheit nicht. Es sind sogar mehrfach Schüler durchgefallen.
Aber das alles spielte keine Rolle mehr, denn morgen sollte es endlich zum
Snowboarden kommen. Ich konnte es kaum erwarten.
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