Sonntag, 4. September 2011

Tag 2 - Der Käfig

Den Blick zur Decke gerichtet, die Sicht nur ermöglicht durch seichte Lichtstrahlen, welche durch kleine Luftlöcher in den Käfig aus Schnee und Eis eindringen. Zu meiner Linken sechs Personen, die das Leid/ den Spaß/ das Abenteuer oder wie man das auch nennen mag, mit mir teilen. Zu meiner Rechten eine massive Wand, kalt und feucht. Als ich mich entschloss in diesen Teil der Welt zukommen, hätte ich nie gedacht mal in so eine Situation zukommen. Ich glaube keiner hätte das. Nur 12 Stunden zuvor lag ich, anstatt auf Eis, in meinem kuschligen, kleinem Bett. Mit der Einstellung dies eigentlich nicht verlassen zu wollen, musste auch ich irgendwann aufstehen. Gott sei Dank  gehöre ich nicht zu den Leuten die Frühstück machen mussten. Nach einer kurzen Dusche (maximal drei Minuten, das ist hier Vorschrift), einem gutem Frühstück, ging es dann auch schon los. Mit Schaufeln und Eispickeln ausgestattet, begannen wir einen kurzen Marsch, welcher uns an einen steilen, stark beschneiten Abhang, wo bereits die andere Gruppe auf uns wartete. Die meisten von uns herrlich motiviert, andere noch im Halbschlaf, wurden uns unsere drei Instruktors vorgestellt. Diese sollten uns mit der mitgebrachten Ausrüstung vertraut machen und die uns bevorstehende Aufgabe erklären: Einen Schneekäfig bauen. Da ein Iglu zu lange dauern würde und sich die Schneeverhältnisse für andere Methoden nicht eigneten, blieb nur diese Möglichkeit. Nach einer Einleitung durch unsere Instruktors zur Bauweise dieses Projektes, ging es dann auch schon los mit dem Aufstieg am Abhang, um auf einer geeigneten Höhe den ersten Spatenstich ins Eis ausführen. Mit  einem sechs Personen starken Team, ging die Arbeit allerdings nur schleppend voran. Lag es daran, dass die eine Hälfte des Teams mit den Instruktors eine Wanderung machte oder daran, dass es einfach verdammt viel Schnee gab. Ich weiß auch nicht. Doch nach einiger Zeit waren schon erste Fortschritte zu sehen. Der Schneekäfig, für welchen wir nur vier Stunden Zeit hatten, begann langsam Form anzunehmen und nach einiger Zeit hatte sich auch ein guter Rhythmus, mit guten Wechsel der verschiedenen Aufgaben und Teamwork eingestellt. Ich fing an gefallen an dem Vorhaben zu finden und aus diesem Grund viel es mir dann auch etwas schwer den Käfig ruhen zulassen, um eine Wanderung zu unternehmen. In der Zwischenzeit würden sich die anderen drei Teammietglieder um die Fertigstellung des Käfigs bemühen. Den Eispickel festumklammern, die Schuhe in tiefen Schnee, machten wir uns auf den Weg. Nicht weit von den Käfigen entfernt, bekamen wir dann einen kleinen Einblick in die Kunst des Bergsteigens. Allerdings nur die erste Schritte und Grundlagen, nichtdestotrotz konnte ich diesem kurzen Lehrgang viel entnehmen…und das meiste würde ich nachher auch noch oft genug brauchen. Wieder an unserer kleinen Festung  angekommen, wurde uns klar, dass der Käfig noch längst nicht fertig war und viel Zeit blieb nicht mehr. Jedoch mit harter Arbeit und viel Motivation waren wir fast zeitig fertig. Nur noch das große Loch stopfen und den Eingangstunnel verbreitern, dann  war unser Käfig beziehungsbereit für uns. Bevor wir diese Probleme allerdings angehen konnten, marschierten wir zurück zu unserer Herberge, um sämtliche Ausrüstung zu packen und uns auch in sonstiger Hinsicht bereit für eine Nacht im Eis zu machen. Mit der Erkenntnis, dass dies vorerst meine letzten Augenblicke in wolliger Wärme seien würden, machten wir uns auf den Weg und bezogen, nach ein paar Verbesserungen, unseren Schneekäfig. Doch lange verweilen ging nicht, da das Abendessen rief. An dieser Stelle möchte ich hochlobend erwähnen, dass ich einen Kocher samt Topf  im Gepäck hatte…und damit war ich einer von fünf von rund 25  ohne solch ein Gerät. Aus diesem Grund dauerte das Kochen, obwohl wir eine Armada von fünf Minuten Fertignudeln hatten, knapp über eine Stunde. Jedoch hatten wir meistens verschiedene Nudeln mit verschiedenen Zeiten und dies ergab am Ende eine Art allround Nudelpampe…mit Soße…welche ich in der Hoffnung auf besseren Geschmack wahllos darüber gekippt hatte. Doch  ich kann sagen, dass mir  vielleicht in meinem ganzen Leben noch nie eine Mahlzeit so gut getan hat. Die erste warme Mahlzeit am Tag, zu sich genommen im eisigen Schnee und während schneidenden Wind. Es begann dunkel und somit kalt zu werden und damit hieß es hieß es bis zum nächsten Morgen in den Schneekäfig. Unsere Gruppe bestand zu diesem Zeitpunkt schon aus sieben Leuten, da uns eine krankheitsbedingt verlassen musste (sie liegt momentan im Krankenhaus, aber es scheint ihr schon wesentlich besser zugehen) und uns zwei aus einem Grund den ich hier nicht erörtern  möchte beitraten. Nun hieß es Stellung im Käfig beziehen und da ich extra lange draußen bleiben musste (ich hatte halt noch was zu essen), bekam ich den kältesten Platz an der Eiswand. Aber rumheulen gibt’s nicht, denn alle hatten wenig Platz und somit hatte keiner den idealen Schlafplatz.  Aber egal es ist ja nur eine Nacht…und zurückblickend eine verdammt lustige dazu. Mit jeder Menge Zeug wie Karten, Geschichten usw. hielten wir uns so lang es geht bei Laune, bis uns die Müdigkeit und die Kälte in den Schlaf zwangen, hoffend auf den baldigen Beginn des nächsten Morgens.

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